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Villa Taube, Einweihung des Erweiterungsbaues

 

Bericht aus dem Oberbayerischen Volksblatt vom 11. Mai 2015

Lange geplant - endlich fertig

Alles hat seine Zeit und diese Woche war in Rottmoos Zeit zum Feiern: Die "Villa Taube" ist fertig, die meisten der 50 Bewohner des Betreuungshofs Rottmoos waren dabei bei der Einweihung der neuen Tagesstruktur der Einrichtung des Bayerischen Landesverbands für die Wohlfahrt Gehörgeschädigter (BLWG). 660000 Euro wurden in den Neubau investiert, rollstuhlgerecht, mit breiten elektronischen Türen, hellen Räumen ohne Stolperrisiko.

Auch in Rottmoos macht sich der gesellschaftliche Wandel bemerkbar: Die Bewohner werden immer älter.

Wasserburg - Der Neubau mit Holzfassade ist gut eingebunden in die ländliche Landschaft um das frühere Gut Rottmoos. Dort erwarb der BLWG 1955 eines Teil des Grunds und schuf Raum für 28 Gehörlose, die die Nationalsozialisten einst in Gabersee zwangseingewiesen hatten. "Tagesstrukturierende Maßnahmen" - nach BLWG-Vorsitzendem Franz Meier "ein entsetzliches Wort, aber eine gute Sache" - gab es für die Gehörlosen erstmals 1997, damals wieder in Gabersee für sieben Betreute in Haus-19 des Inn-Salzach-Klinikums, das bald den Spitznamen "Villa Taube" hatte.

2003 meldete die Klinik Eigenbedarf an für Haus-19. In Rottmoos erinnerte man sich an den Kartoffelkeller unter dem Heim, wo schließlich Räumlichkeiten für die Tagesstruktur geschaffen wurden.

Erste Planungen für den Neubau gab es 2011, weil es immer mehr Betreute wurden. 2013 waren schließlich die Pläne fertig und stand die Finanzierung. Zwei Drittel der Kosten kamen vom Ministerium für Arbeit, Sozialordnung, Familie und Frauen, 100000 Euro von der Stiftung Wohnhilfe,  20000 Euro von der Stiftung Antenne Bayern, der Rest vom Bezirk von Oberbayern, der Bayerischen Landesstiftung und von der Aktion Mensch.

„Der weiteste Weg beginnt mit dem ersten Schritt" war das Motto der Einweihungsfeier, weil „es eine Menge Arbeit war bis die ersten Pläne gemacht werden konnten. Dann wuchs das Haus und wuchs, während die Betreuten im Mehrzweckraum untergebracht waren, wo es schon ganz schön eng war",so der Leiter des Betreuungshofs Franz Turzin, der sich jetzt über die „schmucke Tagesstruktur" freute. Nicht nur er erwähnte Karl-Heinz Haider, der beim BLWG für die Finanzen zuständig war und der auch für das Projekt in Wasserburg immer wieder neue Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten gefunden habe. Ziemlich genau vor einem Jahr starb er ganz überraschend.

„Rottmoos gehört zum Stadtbild von Wasserburg", so Bürgermeister Michael Kölbl. Doch auch bei den Behinderten gehe der gesellschaftlich Wandel nicht vorbei, auch in Rottmoos gebe es immer mehr Rentnerinnen und Rentner, „hier hat man vorbildlich reagiert", lobte der Bürgermeister. Beeindruckend sei, was geschaffen worden sei, damit sie sich wohlfühlten, geistige und körperliche Fähigkeiten gefordert würden, „eine sinnvolle und sinnhafte Tagesstruktur".

Tagesstrukturierende Maßnahmen sollen, so Franz Meier, Selbstbestimmung, Unabhängigkeit und die Lebensqualität der Teilnehmer fördern und erhalten. Was hier entstanden sei, sei „genau das Richtige für unsere Bewohner im Rentenalter".

Ingrid Hoppenstedt leitet die Tagesstruktur, die nun auch Plätze für fünf externe Teilnehmer hat. Um 33 Bewohner kümmern sich die Mitarbeiter der Tagesstruktur, die anderen Betreuten arbeiten in den Werkstätten der Stiftung Attl. Bewegung wird dabei groß geschrieben, Gymnastik, Nordic Walking, Badria-Besuche, sie gehen mit den Bewohnern in die Bücherei in der Stadt oder machen Ausflüge. Auf dem Programm stehen aber auch unter anderem Sturzprophylaxe oder die Biografiearbeit, „wir arbeiten stark mit den Stärken der Bewohner und mit dem, was sie von früher mitbringen.

2015 05 16 Einweihung Villa Taube, gottesdienst

Das Durchschnittsalter der 50 Bewohner ist 63 Jahre, drei von ihnen leben seit 60 Jahren in Rottmoos, der Jüngste ist 38 Jahre alt, der Älteste 82, weit mehr Männer als Frauen wohnen im Betreuungshof, ein kleines Appartement haben die beiden Ehepaare.

Viele Bewohner hatten sich draußen vor dem neuen Gebäude schon ihre Plätze gesucht ehe die Gäste eintrafen. Zwei Dolmetscherinnen übersetzten die Ansprachen in die deutsche Gebärdensprache.

Für die kirchliche Feier waren Pfarrerin Sonja Simonsen von der Gehörlosengemeinde München und Pastoralreferentin Angelika Sterr von der Katholischen Hörgeschädigten Seelsorge nach Wasserburg gekommen. Dass alles seine Zeit hat, auch davon erzählten die beiden mit ihren Gesten und Mundbewegungen, die Worte kamen aus dem Lautsprecher. "Heute ist die Zeit zum Feiern", das freute die "Rottmooser", die begeistert drei Lieder "mitsangen" und beteten. Und zum Schluss gab es für alle, für Bewohner wie Gäste, ein kleines Geschenk: Eine kleine Holztaube.